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Reitplatz ohne Unterbau bauen

Die Wahrheit über Reitplätze ohne Unterbau • Risiken verstehen • Bessere Alternativen kennenlernen

Wichtige Vorab-Information

Ein Reitplatz komplett ohne Unterbau ist in den meisten Fällen nicht empfehlenswert und führt zu erheblichen Problemen. Diese Seite erklärt, warum das so ist, in welchen Ausnahmefällen es funktionieren kann und welche besseren Alternativen es gibt.

Was bedeutet "Reitplatz ohne Unterbau"?

Ein Reitplatz "ohne Unterbau" bedeutet, dass die Tretschicht (Reitboden) direkt auf den gewachsenen Boden aufgebracht wird - ohne Tragschicht, ohne Drainage-System, ohne Planum.

Ohne Unterbau (nicht empfohlen)

Tretschicht (10-15cm)
Sand, Sand-Späne-Gemisch
Gewachsener Boden
Direkt auf natürlichem Untergrund

Mit fachgerechtem Unterbau (Standard)

Tretschicht (12-15cm)
Reitboden-Material
Trennvlies
Geotextil
Tragschicht (15-20cm)
Schotter, verdichtet
Drainage-System
Rohre + Kiesschicht
Planum (verdichteter Untergrund)

Warum wird trotzdem danach gesucht?

Viele Pferdebesitzer suchen nach dieser Lösung aus Kostengründen. Der Unterbau (Drainage, Tragschicht) macht oft 50-60% der Gesamtkosten aus. Verständlich, dass man versucht, hier zu sparen. Aber: Das ist in den allermeisten Fällen falsche Sparsamkeit.

Warum ein Reitplatz ohne Unterbau problematisch ist

Ein Reitplatz ohne Unterbau führt fast immer zu folgenden Problemen:

Staunässe & Schlamm

Problem Nr. 1: Ohne Drainage kann Regenwasser nicht ablaufen. Der Sand saugt sich voll, wird matschig und unbenutzbar.

Folge: Nach jedem Regen 1-3 Tage Wartezeit, bis der Platz wieder trocken ist. Im Herbst/Winter praktisch unbenutzbar.

Tretschicht sinkt ein

Ohne feste Tragschicht sinkt die Tretschicht in den weichen Untergrund ein. Der Platz wird uneben und wellig.

Folge: Gefahr für Pferdebeine durch Stolperfallen. Häufiges Nachfüllen von Sand nötig (teuer!).

Vermischung der Schichten

Tretschicht und Untergrund vermischen sich. Lehm, Erde und Steine gelangen in den Sand.

Folge: Der Reitboden wird schwer, fest und verliert seine Elastizität. Nicht mehr pferdeschonend.

Frostschäden

Ohne Tragschicht mit Drainage friert der Boden bei Kälte ungleichmäßig auf. Es entstehen Frosthebungen.

Folge: Buckel und Senken im Frühjahr. Der Platz muss komplett neu planiert werden.

Unkrautwuchs

Ohne Trennvlies wachsen Gräser und Unkraut aus dem Untergrund durch die Tretschicht.

Folge: Aufwendige Unkrautbekämpfung nötig. Optisch ungepflegt, funktional beeinträchtigt.

Kurze Lebensdauer

Durch die o.g. Probleme ist die Haltbarkeit sehr begrenzt. Der Platz "hält" höchstens 2-3 Jahre.

Folge: Häufige Sanierung oder kompletter Neubau nötig. Langfristig TEURER als fachgerechter Bau!

Klare Empfehlung

Ein Reitplatz ohne Unterbau ist aus fachlicher Sicht nicht empfehlenswert und führt zu dauerhaften Problemen, hohen Folgekosten und Frustration. Die falsche Stelle zum Sparen!

Gibt es Ausnahmen? Wann könnte es funktionieren?

In sehr seltenen Fällen kann ein Reitplatz ohne aufwendigen Unterbau funktionieren - wenn folgende Bedingungen ALLE erfüllt sind:

1. Idealer natürlicher Untergrund

  • Sandiger Boden: Bereits von Natur aus sehr durchlässig (z.B. sandiger Lehm, kiesiger Sand)
  • Keine Staunässe: Auch nach starkem Regen versickert Wasser innerhalb weniger Stunden
  • Eben: Natürlich ebene Fläche ohne große Senken

2. Geringe Nutzungsintensität

  • 1-2 Pferde: Nur gelegentliche Nutzung (nicht täglich)
  • Keine Turniernutzung: Nur leichtes Training
  • Kein gewerblicher Betrieb: Privatnutzung

3. Trockenes Klima

  • Wenig Regen: Region mit geringen Niederschlägen
  • Lange Trockenperioden: Schnelle Trocknung nach Regen
  • Milde Winter: Wenig Frost, kein Dauerfrost

4. Geringe Ansprüche

  • Flexibel: Akzeptanz von Ausfallzeiten bei Nässe
  • Provisorisch: Übergangslösung für 1-2 Jahre
  • Pflegeintensiv: Bereitschaft zu häufiger Wartung

Realitätscheck

In der Praxis erfüllen weniger als 5% aller Standorte diese Bedingungen. Die meisten Böden in Deutschland sind lehmig oder tonhaltig und daher nicht für einen Reitplatz ohne Drainage geeignet.

Wenn Sie unsicher sind: Lassen Sie eine Bodenprobe durchführen. Ein Bodengutachten (ca. 200-400€) kann Ihnen Gewissheit geben und langfristig viel Geld sparen.

Minimal-Lösung: Reduzierter Unterbau

Wenn das Budget sehr knapp ist, gibt es eine Kompromiss-Lösung zwischen "ohne Unterbau" und "vollem Unterbau". Sie ist deutlich besser als gar kein Unterbau:

Budget-Variante mit Minimal-Unterbau

1

Planum erstellen (PFLICHT)

Fläche abtragen, begradigen und verdichten. Leichtes Gefälle (1-2%) für Oberflächenwasser einarbeiten. Dies sollten Sie nicht weglassen!

Kosten: ca. 1.500-3.000€ (für 20x40m)
2

Kies-Drainage-Schicht (10cm)

Statt aufwendiger Drainage mit Rohren: Eine 10cm dicke Kiesschicht (16/32 oder 32/64) flächig verteilen. Dies verbessert die Drainage erheblich.

Kosten: ca. 2.500-4.000€ (Material + Einbau für 20x40m)
3

Trennvlies verlegen (PFLICHT)

Ein wasserdurchlässiges Geotextil zwischen Kiesschicht und Tretschicht verhindert Vermischung und Unkrautwuchs. Nicht weglassen!

Kosten: ca. 800-1.500€ (Material + Verlegung)
4

Tretschicht aufbringen

Ca. 12-15cm Tretschicht (z.B. Sand-Holzhackschnitzel oder günstiges Sand-Vlies-Gemisch).

Kosten: ca. 8.000-12.000€ (Material + Einbau)
5

Einfache Einfassung

Holz-Rundbohlen oder einfache Begrenzung aus Recycling-Material.

Kosten: ca. 1.500-2.500€

Gesamtkosten Minimal-Lösung

ca. 14.300 - 23.000€
für 20x40m (800m²)
Das ist zwar immer noch eine Investition, aber deutlich günstiger als ein vollwertiger Reitplatz (30.000-45.000€) und deutlich besser als komplett ohne Unterbau.
Vorteil: Diese Minimal-Variante funktioniert auf den meisten Böden akzeptabel und ist ein vernünftiger Kompromiss zwischen Kosten und Funktionalität. Sie können später bei Bedarf noch nachrüsten (z.B. Drainage-Rohre nachlegen).

Vergleich: Ohne vs. Minimal vs. Vollständiger Unterbau

Kriterium Ohne Unterbau Minimal-Unterbau Vollständiger Unterbau
Kosten (20x40m) 8.000-12.000€ 14.000-23.000€ 30.000-45.000€
Drainage ❌ Keine ⚠️ Einfach (Kies) ✅ Professionell (Rohre)
Haltbarkeit 1-3 Jahre 5-8 Jahre 15-25 Jahre
Nutzbarkeit nach Regen ❌ 1-3 Tage Wartezeit ⚠️ Wenige Stunden ✅ Sofort nutzbar
Pflegeaufwand Sehr hoch Mittel Gering
Frostbeständigkeit ❌ Schlecht ⚠️ Akzeptabel ✅ Sehr gut
Unkrautwuchs ❌ Stark ⚠️ Gering (mit Vlies) ✅ Minimal
Für Turnierbetrieb ❌ Nein ⚠️ Bedingt ✅ Ja
Kosten/Jahr (10 Jahre) ~8.000€/Jahr* ~2.300€/Jahr ~1.500€/Jahr
Empfehlung ❌ Nicht empfohlen ⚠️ Budget-Kompromiss ✅ Standard

* Ohne Unterbau muss der Platz alle 2-3 Jahre saniert oder neu gebaut werden (Folgekosten!), daher langfristig am teuersten.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich einfach Sand auf meine Wiese kippen und darauf reiten?

Nein, das ist keine gute Idee. Sand auf Wiese führt zu:

  • • Sand sinkt in die Grasnarbe ein und vermischt sich mit Erde
  • • Gras wächst durch den Sand
  • • Bei Regen wird alles matschig
  • • Nach wenigen Wochen ist der Sand "weg" (eingesunken)

Mindestens müssen Sie die Grasnarbe vollständig abtragen (15-20cm tief) und ein Trennvlies verlegen, bevor Sand aufgebracht wird.

Wie lange hält ein Reitplatz ohne Unterbau?

In den meisten Fällen 1-3 Jahre, dann ist eine umfassende Sanierung oder ein Neubau nötig. Die Probleme (Staunässe, Vermischung, Absackungen) treten meist bereits im ersten Winter auf.

Im Vergleich: Ein fachgerecht gebauter Reitplatz hält 15-25 Jahre mit normaler Pflege.

Was ist das absolute Minimum für einen funktionierenden Reitplatz?

Diese 4 Elemente sollten Sie NICHT weglassen:

  1. Planum erstellen: Ebene, verdichtete Fläche mit leichtem Gefälle
  2. Drainage-Hilfe: Mindestens 10cm Kies als Drainage-Schicht
  3. Trennvlies: Geotextil gegen Vermischung und Unkraut
  4. Tretschicht: Mind. 12cm hochwertiger Reitboden

Alles darunter ist ein Provisorium, das nur unter sehr günstigen Bedingungen kurzzeitig funktioniert.

Ist ein Reitplatz ohne Unterbau billiger als mit Unterbau?

Kurzfristig ja, langfristig NEIN. Rechnung über 10 Jahre:

Ohne Unterbau:

  • • Erstbau: 12.000€
  • • Sanierung nach 2 Jahren: 8.000€
  • • Sanierung nach 5 Jahren: 8.000€
  • • Neubau nach 8 Jahren: 12.000€
  • = 40.000€ in 10 Jahren

Mit Unterbau:

  • • Erstbau: 35.000€
  • • Tretschicht-Erneuerung (Jahr 8): 5.000€
  • • Laufende Pflege: minimal
  • ---
  • = 40.000€ in 10 Jahren

Ergebnis: Gleiche Kosten über 10 Jahre – aber mit Unterbau haben Sie die ganze Zeit einen funktionierenden Platz!

Kann ich später noch nachrüsten?

Technisch ja, aber aufwendig und teuer. Um nachträglich einen Unterbau einzubauen, müssen Sie:

  • • Die komplette Tretschicht abtragen und zwischenlagern
  • • Planum erstellen und Drainage einbauen
  • • Tragschicht aufbringen
  • • Tretschicht wieder aufbringen (oft verschmutzt und unbrauchbar)

Kosten: Fast so teuer wie ein Neubau, da doppelte Arbeit (Abtrag + Aufbau). Empfehlung: Lieber gleich richtig bauen.

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