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Reitplatz auf Wiese bauen

Grünland-Umwandlung richtig gemacht • Schritt-für-Schritt Anleitung • Genehmigung & Kosten

Grundsätzlich möglich
Mit richtiger Vorbereitung
Genehmigung prüfen
Grünland-Umwandlung
Drainage entscheidend
Wiesen oft feucht
Beste Zeit: Sommer
Trockener Boden wichtig

Wiese als Reitplatz - Besondere Herausforderungen

Der Bau eines Reitplatzes auf einer Wiese unterscheidet sich deutlich vom Bau auf unbewachsenem Grund. Diese Faktoren müssen Sie beachten:

Grasnarbe entfernen

Die komplette Grasnarbe inkl. Wurzelwerk muss vollständig abgetragen werden (ca. 10-20cm tief).

Problem: Verbleibende Wurzeln wachsen durch und destabilisieren den Aufbau.

Feuchtigkeit & Drainage

Wiesen sind oft feuchter als andere Böden. Ohne ordentliche Drainage wird der Platz schnell sumpfig.

Lösung: Drainage-System PFLICHT (Drainagerohre oder Kiesschicht).

Grünland-Umwandlung

Die Umwandlung von Dauergrünland kann genehmigungspflichtig sein!

Wichtig: VOR Baubeginn mit Landwirtschaftsamt / Unterer Naturschutzbehörde klären.

Bodenverdichtung

Wiesenboden ist oft weich und locker. Er muss sorgfältig verdichtet werden.

Vorteil: Oft einfacher zu bearbeiten als felsiger Untergrund.

Bodenaushub entsorgen

Die abgetragene Grasnarbe und Erdaushub müssen entsorgt oder anderweitig verwendet werden.

Kosten: Entsorgung oder Erdwall anlegen.

Zeitpunkt der Bauarbeiten

Bauarbeiten nur bei trockenem Boden. Nasse Wiesen sind unbefahrbar.

Ideal: Spätsommer / Frühherbst nach trockener Periode.

Genehmigung: Dauergrünland-Umwandlung

ACHTUNG: Die Umwandlung von Dauergrünland in eine andere Nutzungsform kann rechtlich geschützt sein!

Was ist Dauergrünland?

Als Dauergrünland gelten Flächen, die seit mindestens 5 Jahren als Wiese oder Weide genutzt werden. In der EU-Agrarpolitik besonders geschützt, da Grünland wichtig für Klimaschutz (CO₂-Speicherung) und Biodiversität ist.

Wann ist eine Genehmigung erforderlich?

Landwirtschaftlicher Betrieb: Wenn Sie ein landwirtschaftlicher Betrieb sind und die Fläche betrieblich nutzen (z.B. Pensionsstall, Zuchtbetrieb), kann die Umwandlung als privilegiert gelten. Dennoch Meldepflicht beim Landwirtschaftsamt!
Privatnutzung: Für private Reitplätze (nicht landwirtschaftlich) kann die Umwandlung genehmigungspflichtig sein. Zuständig: Untere Naturschutzbehörde oder Landwirtschaftsamt.
Schutzgebiete: In Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten oder FFH-Gebieten kann die Umwandlung verboten sein. Zwingend vorher mit Behörde klären!

WICHTIG: Rechtssicherheit vor Baubeginn!

Klären Sie VOR Beginn der Bauarbeiten mit den zuständigen Behörden, ob die Umwandlung zulässig ist. Eine ungenehmigte Umwandlung kann zu hohen Bußgeldern und der Verpflichtung zur Renaturierung führen.

Kontakt: Landwirtschaftsamt, Untere Naturschutzbehörde oder Landratsamt Ihres Kreises.

Schritt-für-Schritt: Reitplatz auf Wiese bauen

So gehen Sie beim Bau eines Reitplatzes auf einer Wiesenfläche professionell vor:

1

Fläche abstecken und vermessen

Markieren Sie die gewünschte Reitplatzfläche exakt mit Pflöcken und Schnüren. Standard: 20x40m oder 20x60m. Planen Sie rundherum mindestens 1-2 Meter Puffer ein für Bande und Entwässerung.

Tipp: Nutzen Sie ein Nivelliergerät oder Laser-Wasserwaage, um bereits jetzt das Gefälle zu überprüfen. Ein leichtes Gefälle von 1-2% ist ideal für Wasserabfluss.
2

Grasnarbe abtragen (Oberbodenabtrag)

Tragen Sie die komplette Grasnarbe inklusive Wurzelwerk ab. Tiefe: mindestens 15-20cm. Dies geschieht am besten mit einem Bagger (Minibagger oder größerer Bagger je nach Fläche).

Wichtig: Wurzelreste müssen vollständig entfernt werden. Sonst wachsen sie durch und machen den Reitboden uneben.
Entsorgung: Abgetragene Grasnarbe kann kompostiert, als Erdwall genutzt oder abtransportiert werden.

Kosten Bagger: Minibagger-Miete ca. 80-150€/Tag, Baggerfahrer ca. 60-80€/Stunde. Für 800m² Abtrag: ca. 1-2 Tage Arbeit.

3

Planum erstellen (Untergrund begradigen)

Nach dem Abtrag der Grasnarbe wird der Untergrund (Planum) erstellt. Dies ist die Grundebene, auf der alle weiteren Schichten aufgebaut werden.

  • Fläche auf einheitliches Niveau bringen (Unebenheiten ausgleichen)
  • Leichtes Gefälle von 1-2% einarbeiten für Entwässerung
  • Boden verdichten mit Rüttelplatte oder Walze
Professionell: Lassen Sie das Planum von einem Fachbetrieb mit Laser-Nivelliertechnik erstellen. Eine exakte Ebene spart später viel Ärger.
4

Drainage-System installieren (ENTSCHEIDEND!)

Wiesen sind oft feucht. Ohne funktionierende Drainage wird Ihr Reitplatz nach Regen unbenutzbar. Das Drainage-System ist daher bei Wiesenumwandlung PFLICHT!

Option 1: Drainage-Rohre (Professionell)

  • Drainagerohre (DN100 oder DN125) in Gräben verlegen (Tiefe: ca. 60-80cm unter Planum)
  • Abstand der Stränge: 5-8 Meter (abhängig von Bodenbeschaffenheit)
  • Rohre in Kiesbett einbetten (Körnung 16/32), mit Vlies umwickeln
  • Ableitung in Sickerschacht, Versickerungsmulde oder Vorfluter

Option 2: Kies-Drainage-Schicht (Einfacher)

  • Flächige Kiesschicht (10-15cm) als Drainage-Schicht
  • Kies-Körnung 16/32 oder 32/64 (wasserdurchlässig)
  • Funktioniert gut bei leicht durchlässigem Untergrund
Empfehlung: Auf Wiesenflächen ist die professionelle Drainage mit Rohren die sicherere Lösung. Bei sehr lehmigen oder tonigen Böden (typisch für Wiesen) ist flächiger Kies allein oft nicht ausreichend.
5

Tragschicht aufbringen und verdichten

Auf das Planum bzw. die Drainage-Schicht kommt die Tragschicht (auch Fundament genannt). Sie trägt die Hauptlast und verteilt Kräfte gleichmäßig.

  • Material: Schotter 0/32, 0/45 oder Recycling-Schotter
  • Schichtdicke: 15-20cm (verdichtet)
  • Verdichtung: Mit Vibrationswalze schichtweise verdichten
  • Menge für 20x40m: ca. 120-160 m³ (ca. 15-20 LKW-Ladungen)
6

Trennvlies verlegen

Zwischen Tragschicht und Tretschicht wird ein wasserdurchlässiges Trennvlies (Geotextil) verlegt. Es verhindert, dass die Tretschicht in die Tragschicht eingemischt wird.

  • Material: Geotextil 200-400 g/m², wasserdurchlässig
  • Überlappungen: mindestens 30cm
  • Kosten: ca. 1-2€/m² (Material)
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Tretschicht (Reitboden) aufbringen

Die Tretschicht ist die oberste Schicht, auf der geritten wird. Sie muss elastisch, griffig und staubarm sein.

Beliebte Tretschicht-Materialien:

Quarzsand-Vlies-Gemisch

Beliebt und pflegeleicht

  • • Schichtdicke: 12-15cm
  • • Preis: ca. 25-35€/m²
  • • Für alle Disziplinen geeignet
Sand-Holzhackschnitzel

Klassische Variante

  • • Schichtdicke: 12-15cm
  • • Preis: ca. 15-25€/m²
  • • Mehr Pflege nötig
Menge für 20x40m: ca. 100-120 m³ Tretschicht-Material (12-15cm Schichtdicke).
8

Einfassung / Bande anbringen

Eine stabile Bande (Umrandung) verhindert, dass der Reitboden nach außen wandert und gibt dem Platz optisch Struktur.

  • Holz-Rundbohlen: Klassisch, ca. 15-25€/lfm
  • Kunststoff-Paneele: Langlebig, wartungsarm, ca. 30-50€/lfm
  • Betonelemente: Sehr stabil, ca. 40-60€/lfm

Kosten: Reitplatz auf Wiese bauen

Beispielkalkulation für einen 20x40m Reitplatz (800m²) auf Wiesenfläche:

Position Kosten (ca.)
Grasnarbe abtragen & entsorgen
Bagger, Arbeitszeit, Entsorgung
1.500 - 2.500€
Planum erstellen & verdichten
Nivellierung, Verdichtung
1.000 - 2.000€
Drainage-System
Drainagerohre, Kies, Verlegung (WICHTIG bei Wiese!)
3.000 - 6.000€
Tragschicht (Schotter)
ca. 140m³ Material + Einbau + Verdichtung
3.500 - 5.000€
Trennvlies
Geotextil 800m²
800 - 1.600€
Tretschicht (Reitboden)
ca. 100m³ Sand-Vlies-Gemisch
8.000 - 12.000€
Einfassung / Bande
120 lfm Holz oder Kunststoff
1.800 - 3.500€
Transportkosten
Anlieferung Materialien
1.000 - 2.000€
Gesamtkosten (ca.) 20.600 - 34.600€

Kostensenkung durch Eigenleistung

Wenn Sie selbst Hand anlegen, können Sie sparen:

  • • Baggermiete statt Fachfirma: -30%
  • • Vlies selbst verlegen: -50%
  • • Bande selbst bauen: -40%

Mögliche Einsparung: 4.000-8.000€

Wichtiger Hinweis zu Preisen

Die Kosten können je nach Region, Bodenbeschaffenheit, Drainage-Aufwand und Materialwahl erheblich variieren. Bei sehr feuchten Wiesen können deutlich höhere Drainage-Kosten anfallen. Lassen Sie sich mehrere Angebote erstellen.

Häufige Fehler vermeiden

Unzureichende Drainage

Fehler: Drainage wird unterschätzt oder ganz weggelassen.

Folge: Nach Regen steht der Platz unter Wasser, wird matschig und unbenutzbar. Wiesen haben oft tonige/lehmige Böden mit schlechter Durchlässigkeit.

Wurzelreste nicht entfernt

Fehler: Grasnarbe wird nur oberflächlich entfernt, Wurzeln bleiben im Boden.

Folge: Gras wächst durch die Tretschicht, der Platz wird uneben und verwildert. Nachträgliche Sanierung sehr aufwendig.

Bau bei nassem Boden

Fehler: Bauarbeiten werden bei feuchtem/nassem Wetter durchgeführt.

Folge: Bagger verdichtet den Untergrund unkontrolliert, Drainage funktioniert nicht richtig, Materialien lassen sich schlecht verdichten.

Keine Genehmigung eingeholt

Fehler: Grünland-Umwandlung ohne Prüfung der Genehmigungspflicht.

Folge: Hohe Bußgelder, im schlimmsten Fall Rückbauverpflichtung und Renaturierung.

Gefälle falsch oder fehlend

Fehler: Platz wird komplett eben gebaut, ohne Gefälle.

Folge: Wasser kann nicht ablaufen, sammelt sich in der Mitte. Pfützenbildung nach Regen.

Tragschicht zu dünn

Fehler: Um Kosten zu sparen, wird die Tragschicht zu dünn aufgebracht.

Folge: Platz sackt ab, wird uneben, bricht bei Frost auf. Tretschicht mischt sich mit Untergrund.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich einen Reitplatz direkt auf der Wiese ohne Abtrag bauen?

Nicht empfehlenswert. Ohne vollständigen Abtrag der Grasnarbe wachsen Wurzeln durch die Tretschicht und machen den Platz uneben. Außerdem verrotten organische Reste und führen zu Setzungen.

Ein professioneller Reitplatz erfordert den kompletten Abtrag der Grasnarbe (15-20cm tief) inklusive Wurzelwerk.

Ist eine Drainage wirklich notwendig?

Ja, bei Wiesenflächen dringend empfohlen! Wiesen haben oft lehmige oder tonige Böden, die Wasser schlecht durchlassen. Ohne Drainage wird der Platz nach Regen tagelang nass und unbenutzbar.

Die Drainage ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen funktionierenden Reitplatz. Kosten: 3.000-6.000€ - aber unverzichtbar.

Wann ist die beste Jahreszeit für den Bau?

Spätsommer und Frühherbst sind ideal (August bis Oktober), wenn:

  • • Der Boden nach einer trockenen Periode gut befahrbar ist
  • • Keine Frostgefahr mehr besteht
  • • Der Platz vor dem Winter fertig werden kann

Vermeiden: Bauarbeiten im Winter oder bei nasser Witterung. Schwere Maschinen verdichten den Boden unkontrolliert.

Brauche ich eine Genehmigung für die Grünland-Umwandlung?

Möglicherweise ja. Die Umwandlung von Dauergrünland (Wiese seit mind. 5 Jahren) kann genehmigungspflichtig sein. Das hängt ab von:

  • • Lage (Schutzgebiet?)
  • • Nutzung (landwirtschaftlich oder privat?)
  • • Bundesland (unterschiedliche Regelungen)

Wichtig: Klären Sie dies VOR Baubeginn mit Landwirtschaftsamt oder Unterer Naturschutzbehörde!

Kann ich den Bau komplett selbst durchführen?

Theoretisch ja, praktisch sehr aufwendig. Sie benötigen:

  • • Bagger (Miete ca. 100-150€/Tag)
  • • Vibrationswalze oder große Rüttelplatte
  • • LKW für Materialtransport (oder Anlieferung beauftragen)
  • • Handwerkliches Geschick und Zeit (mehrere Wochen)
  • • Helfer für schwere Arbeiten

Empfehlung: Zumindest Planum, Drainage und Verdichtung von Fachfirma durchführen lassen. Bande und Tretschicht können Sie in Eigenleistung erstellen.

Was passiert mit der abgetragenen Grasnarbe?

Die abgetragene Grasnarbe und Mutterboden können Sie:

  • Kompostieren (dauert 1-2 Jahre)
  • Als Erdwall an anderer Stelle aufschütten
  • Für Geländemodellierung nutzen
  • Abtransportieren lassen (Entsorgungskosten ca. 10-20€/m³)

Menge: Bei 20x40m und 20cm Tiefe fallen ca. 160m³ Aushub an.

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Wir helfen Ihnen bei der Umwandlung Ihrer Wiesenfläche in einen professionellen Reitplatz - von der Genehmigung bis zur Fertigstellung.

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